AUGUST 23

Molotow-Ribbentrop-Pakt in Moskau unterzeichnet

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Ein Vertrag in Moskau verändert im August 1939 das Kräfteverhältnis in Europa. Hinter dem offiziellen Text stehen Entscheidungen mit Folgen weit über die Unterzeichnung hinaus.

Am 23. August 1939 unterzeichneten das Deutsche Reich und die Sowjetunion im Kreml in Moskau einen Nichtangriffspakt, der als Molotow-Ribbentrop-Pakt bekannt wurde. Unterzeichnet wurde er von den Außenministern Joachim von Ribbentrop und Wjatscheslaw Molotow. Nach außen versprach das Abkommen, dass beide Staaten auf militärische Gewalt gegeneinander verzichten würden. Doch mit dem Vertrag war auch ein geheimes Zusatzprotokoll verbunden, das Einflusszonen in Osteuropa festlegte. Weniger als zwei Wochen später begann mit dem deutschen Angriff auf Polen eine neue Kriegsphase in Europa.

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Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts am 23. August 1939 im Kreml in Moskau durch Molotov und Ribbentrop.
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Über diese Geschichte

Am 23. August 1939 unterzeichneten NS-Deutschland und die Sowjetunion in Moskau einen Nichtangriffspakt, den Molotow-Ribbentrop-Pakt. Der öffentliche Text versprach den Verzicht auf Konflikt, während ein geheimes Zusatzprotokoll Teile Osteuropas in Interessensphären aufteilte — und binnen zwei Wochen begann der Krieg.

Molotov und Ribbentrop bei der Unterzeichnung des Pakts in Moskau, 23. August 1939.

Am 23. August 1939 unterzeichneten das Deutsche Reich und die Sowjetunion im Kreml in Moskau einen Nichtangriffspakt, der als Molotow-Ribbentrop-Pakt bekannt wurde. Unterzeichnet wurde er von den Außenministern Joachim von Ribbentrop und Wjatscheslaw Molotow. Nach außen versprach das Abkommen, dass beide Staaten auf militärische Gewalt gegeneinander verzichten würden. Doch mit dem Vertrag war auch ein geheimes Zusatzprotokoll verbunden, das Einflusszonen in Osteuropa festlegte. Weniger als zwei Wochen später begann mit dem deutschen Angriff auf Polen eine neue Kriegsphase in Europa.

Überraschende Einigung zwischen Feinden

Die Vereinbarung wirkte damals schon überraschend. Nationalsozialistisches Deutschland und die Sowjetunion standen sich ideologisch feindlich gegenüber, und auch ihre strategischen Interessen in Osteuropa waren nicht deckungsgleich. Gerade deshalb ist das Abkommen ein Beispiel dafür, wie kurzfristige machtpolitische Ziele öffentlich erklärte Gegensätze überlagern konnten. Für die Führung in Berlin und Moskau zählte im Sommer 1939 nicht die ideologische Nähe, sondern der unmittelbare Vorteil.

Dem Pakt gingen gescheiterte und stockende Verhandlungen anderer Mächte voraus. 1939 hatte es Gespräche zwischen Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion über eine mögliche Sicherheitsregelung gegen die deutsche Expansion gegeben. Diese Gespräche brachten jedoch kein belastbares Ergebnis. In dieser Lage entschied sich Adolf Hitler für eine direkte Verständigung mit Josef Stalin. Für Berlin war wichtig, vor einem Angriff auf Polen die Aussicht auf einen Krieg an zwei Fronten zu verringern. Für die sowjetische Führung bot ein Abkommen die Möglichkeit, Zeit zu gewinnen und den eigenen Einflussraum nach Westen abzusichern.

Öffentlicher Text und geheimes Protokoll

Joachim von Ribbentrop reiste zu direkten Verhandlungen nach Moskau. Dort wurden die Gespräche in kurzer Zeit zum Abschluss gebracht. Am 23. August wurde der Vertrag im Kreml unterzeichnet. Der öffentliche Teil des Pakts war knapp gehalten: Beide Seiten verpflichteten sich, gegeneinander keine Gewalt anzuwenden und sich in einem Konfliktfall neutral zu verhalten. Für Beobachter im Ausland war schon dieser Schritt von großer Bedeutung, weil er die diplomatische Lage Europas abrupt veränderte.

Entscheidend für die Folgen war jedoch das geheime Zusatzprotokoll vom selben Tag. Darin wurden Einflusszonen in Osteuropa umrissen. Genannt wurden Finnland, Estland, Lettland, Ostpolen und Bessarabien; auch die Aufteilung von Interessen in Polen wurde festgelegt. Diese geheime Verständigung machte deutlich, dass es nicht nur um die Vermeidung eines deutsch-sowjetischen Krieges ging. Das Abkommen schuf zugleich einen Rahmen, in dem territoriale Veränderungen vorbereitet werden konnten, ohne dass die betroffenen Staaten daran beteiligt waren.

Von Moskau zum Überfall auf Polen

Für Hitler war das eine wichtige Absicherung vor dem nächsten Schritt. Am 1. September 1939 griff Deutschland Polen an. Damit begann der europäische Kriegsteil des Zweiten Weltkriegs. Die deutsche Führung konnte dabei davon ausgehen, dass die Sowjetunion nicht unmittelbar gegen sie eingreifen würde. Der Pakt hatte also nicht den Krieg verhindert, sondern den politischen Spielraum für einen Angriffskrieg erweitert.

Auch für die Sowjetunion blieb das Abkommen nicht folgenlos. Am 17. September 1939 rückten sowjetische Truppen in Ostpolen ein, nachdem Polen bereits aus dem Westen angegriffen worden war. In den folgenden Monaten wirkten die im geheimen Protokoll angelegten Einflussansprüche weiter. Für mehrere Staaten in Osteuropa hatte das tiefgreifende Folgen, weil Entscheidungen über Grenzen, Besatzung und Souveränität ohne ihre Zustimmung getroffen wurden.

Erinnerung und Bedeutung für Osteuropa

Zeitgenossen kannten zunächst nur den öffentlichen Vertragstext. Gerade dieser Unterschied zwischen offenem Vertrag und geheimer Zusatzvereinbarung ist für Historiker besonders wichtig. Er zeigt, wie Diplomatie 1939 auf zwei Ebenen zugleich funktionierte: nach außen mit formalen Zusicherungen, im Hintergrund mit territorialen Absprachen. Die spätere Veröffentlichung und Anerkennung des geheimen Protokolls machte den Pakt zu einem dauerhaften Streitpunkt der europäischen Erinnerungsgeschichte.

Warum es noch wichtig ist

Der Molotow-Ribbentrop-Pakt bleibt ein zentrales Beispiel dafür, wie öffentliche Verträge und geheime Absprachen nebeneinander bestehen können. Wer die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs verstehen will, kommt an diesem Zusammenhang kaum vorbei. Der Pakt erklärt nicht allein den Kriegsbeginn, aber er half, die politischen Bedingungen zu schaffen, unter denen der deutsche Angriff auf Polen möglich wurde.

Besonders in Polen und in den baltischen Staaten ist die Erinnerung an das Abkommen eng mit späterer Besetzung, Gebietsverlust und dem Verlust staatlicher Handlungsfreiheit verbunden. Deshalb spielt der Pakt dort nicht nur in der allgemeinen Weltkriegsgeschichte eine Rolle, sondern auch in nationalen Erinnerungskulturen. Die Existenz des geheimen Protokolls ist gut dokumentiert, doch die Deutung seiner Folgen bleibt in verschiedenen Ländern unterschiedlich akzentuiert.

Darüber hinaus verweist das Ereignis auf ein allgemeineres Problem internationaler Politik: Sicherheitsabsprachen großer Mächte können über das Schicksal kleinerer Staaten entscheiden, ohne dass diese mit am Tisch sitzen. Gerade deshalb wird der Pakt bis heute nicht nur als diplomatisches Dokument gelesen, sondern auch als Warnung vor den Folgen geheimer territorialer Verständigungen. Seine Bedeutung liegt somit nicht nur im Sommer 1939, sondern auch in der Frage, wie politische Macht in Krisenzeiten ausgeübt wird.

Zeitleiste

  1. Molotow-Ribbentrop-Pakt unterzeichnet
  2. Deutschland überfällt Polen
  3. Sowjetische Truppen marschieren in Ostpolen ein

Was du entdeckt hast

Diplomatie und geheime Grenzen

Du hast nicht nur ein Datum zusammengesetzt, sondern einen Moment nachvollzogen, in dem ein offizielles Abkommen und verdeckte Gebietsplanung eng miteinander verbunden waren.

An diesem Abkommen zeigt sich, dass Diplomatie nicht nur aus dem öffentlich verkündeten Text besteht, sondern auch aus dem, was bewusst verborgen bleibt. Gerade dieser Gegensatz zwischen Nichtangriffspakt und geheimem Zusatzprotokoll macht deutlich, wie Großmächte rechtliche Formeln und strategische Planung parallel nutzen konnten. Für kleinere Staaten bedeutete das, dass über ihre Sicherheit und politische Zukunft verhandelt wurde, ohne dass sie beteiligt waren.

Das geheime Zusatzprotokoll vom 23. August 1939 ordnete Finnland, Estland, Lettland, Ostpolen und Bessarabien bestimmten sowjetischen oder deutschen Einflusssphären zu.

FAQ

Was war der Molotow-Ribbentrop-Pakt?

Der Molotow-Ribbentrop-Pakt war ein Nichtangriffsabkommen zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion. Es wurde am 23. August 1939 in Moskau unterzeichnet.

Wer unterzeichnete den Vertrag in Moskau?

Unterzeichnet wurden der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop und der sowjetische Außenminister Vyacheslav Molotov. Die Unterzeichnung fand im Kreml in Moskau statt.

Was regelte das geheime Zusatzprotokoll?

Das geheime Zusatzprotokoll vom 23. August 1939 legte Interessensphären in Finnland, Estland, Lettland, Ostpolen und Bessarabien fest. Diese Regelungen waren nicht Teil des öffentlichen Vertragstextes.

Welche Folgen hatte der Pakt für Polen?

Nur wenige Tage nach dem Vertrag griff Deutschland am 1. September 1939 Polen an und begann damit die europäische Phase des Zweiten Weltkriegs. Am 17. September 1939 rückten sowjetische Truppen in Ostpolen ein, nachdem der polnische Staat bereits von Westen angegriffen worden war.

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