Über diese Geschichte
Am 2. August 1934, nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg, vereinigte Adolf Hitler das Amt des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers zum Führer und Reichskanzler. Damit wurden Staats- und Regierungsgewalt in einer Person gebündelt.
Adolf Hitler nach der Vereinigung von Präsidenten- und Kanzleramt in Berlin, 1934
Am 2. August 1934 starb Reichspräsident Paul von Hindenburg auf seinem Gut in Neudeck in Ostpreußen. Noch am selben Tag trat in Deutschland eine bereits vorbereitete gesetzliche Regelung in Kraft, mit der die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers zusammengelegt wurden. Adolf Hitler übernahm daraufhin den Titel „Führer und Reichskanzler“ und vereinte damit die Funktionen von Staatsoberhaupt und Regierungschef in seiner Person.
Eine im Voraus vorbereitete Nachfolge
Dieser Schritt kam nicht überraschend. Bereits am 1. August 1934 hatte das Kabinett das „Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs“ beschlossen. Es sollte mit Hindenburgs Tod wirksam werden. Formal erschien der Übergang daher als gesetzlich vorbereitet. Politisch bedeutete er jedoch weit mehr als eine bloße Nachfolgeregelung: Die bisherige Trennung zwischen der Präsidentschaft und dem Kanzleramt, die in der Verfassungsordnung des Deutschen Reichs eine wichtige Rolle gespielt hatte, wurde aufgehoben.
Ein Jahr verfassungsrechtlicher Erosion
Um die Bedeutung dieses Moments zu verstehen, ist der politische Weg dorthin entscheidend. Seit seiner Ernennung zum Reichskanzler im Januar 1933 hatte Hitler seine Macht schrittweise ausgebaut. Der Reichstagsbrand und die darauf folgende Notverordnung schränkten Grundrechte stark ein. Mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933 erhielt die Regierung dann die Möglichkeit, Gesetze weitgehend ohne parlamentarische Mitwirkung zu erlassen. Auf dieser Grundlage wurden politische Gegner verfolgt, Parteien ausgeschaltet und staatliche Institutionen dem nationalsozialistischen Herrschaftssystem untergeordnet.
Als Hindenburg im Jahr 1934 gesundheitlich zunehmend geschwächt war, wurde die Frage seiner Nachfolge immer wichtiger. In einer verfassungsmäßigen Ordnung hätte das Freiwerden des Präsidentenamts eine eigenständige Lösung verlangt. Die nationalsozialistische Führung entschied sich jedoch gegen die Einsetzung eines getrennten Nachfolgers. Stattdessen wurde der anstehende Machtwechsel genutzt, um den letzten institutionellen Gegenpol zum Kanzleramt zu beseitigen.
Auch der Zeitpunkt war bedeutsam. Ende Juni 1934 hatte die Führung des Regimes in der sogenannten „Nacht der langen Messer“ politische Gegner und tatsächliche oder vermeintliche Rivalen innerhalb der eigenen Bewegung töten lassen. Diese Gewaltaktion stärkte Hitlers Stellung gegenüber Teilen von Partei, Staat und Militär. Als Hindenburg wenige Wochen später starb, war die politische Umgebung für die Zusammenlegung der Ämter bereits grundlegend verändert.
Die Entscheidung vom 2. August war daher nicht nur ein Verwaltungsakt. Sie veränderte die Staatsstruktur des Deutschen Reichs. Mit der Vereinigung der beiden Spitzenämter entfiel eine institutionelle Trennung, die zumindest theoretisch unterschiedliche Zuständigkeiten und Machtzentren geschaffen hatte. Nun liefen staatliche Repräsentation, Regierungsführung und letztlich die oberste politische Autorität in einer Person zusammen.
Armeeid und Nachfolge
Ein weiterer Schritt folgte ebenfalls am 2. August. Reichswehrminister Werner von Blomberg ordnete an, dass die Soldaten der Reichswehr nicht mehr auf Verfassung und Staat, sondern persönlich auf Adolf Hitler ihren Treueid leisten sollten. Diese Veränderung war von großer symbolischer und praktischer Tragweite. In Staaten mit verfassungsmäßiger Ordnung gilt die Loyalität bewaffneter Kräfte üblicherweise dem Staat und seinen Gesetzen. Die persönliche Bindung an einen einzelnen Herrscher verschob dieses Verhältnis deutlich.
Damit wurde die Machtübertragung durch mehrere Mechanismen abgesichert. Erstens gab es die gesetzliche Grundlage, die schon vor Hindenburgs Tod beschlossen worden war. Zweitens wurde durch den persönlichen Eid des Militärs eine zentrale Institution enger an Hitler gebunden. Drittens sollte die neue Ordnung kurze Zeit später auch öffentlich bestätigt werden. Am 19. August 1934 fand im Deutschen Reich eine Volksabstimmung statt, mit der die Zusammenlegung der Ämter nachträglich gebilligt werden sollte.
Plebiszitäre Bestätigung
Die Abstimmung war aus Sicht des Regimes wichtig, weil sie dem bereits vollzogenen Schritt einen Anschein breiter Zustimmung verleihen konnte. In einem politischen System, in dem freie Opposition ausgeschaltet und öffentliche Kommunikation stark kontrolliert war, hatte eine solche Abstimmung allerdings nicht dieselbe Bedeutung wie ein freier demokratischer Wettbewerb. Trotzdem spielte sie für die Darstellung der Herrschaft nach innen und außen eine Rolle.
Aus historischer Sicht markiert der 2. August 1934 einen entscheidenden Punkt im Ausbau der nationalsozialistischen Diktatur. Hitler war nicht mehr nur Regierungschef, sondern vereinte auch die Rolle des Staatsoberhaupts mit seiner bestehenden Stellung. Die Veränderung stand am Ende einer Reihe von Maßnahmen, mit denen politische Kontrolle konzentriert, rechtliche Schranken abgebaut und institutionelle Gegengewichte ausgeschaltet wurden.
Warum es noch wichtig ist
Das Ereignis ist bis heute bedeutsam, weil es zeigt, wie autoritäre Herrschaft nicht nur durch offene Gewalt, sondern auch durch Gesetze, Verwaltungsakte und institutionelle Anpassungen gefestigt werden kann. Die Zusammenlegung der Ämter wirkte nach außen wie eine formale staatliche Neuordnung. Tatsächlich beseitigte sie eine verfassungsrechtliche Trennung, die Macht begrenzen konnte.
Ebenso aufschlussreich ist der persönliche Treueid der Reichswehr. Er verdeutlicht, wie entscheidend die Bindung bewaffneter Organe für die Stabilisierung einer Diktatur sein kann. Wenn die Loyalität nicht einer Verfassung oder einem Amt, sondern einer einzelnen Person gilt, verändert sich die Beziehung zwischen Staat, Militär und Recht grundlegend.
Historiker betrachten den 2. August 1934 daher oft als Lehrbeispiel für institutionelle Machtkonzentration in einem Einparteiensystem. Der Tag macht sichtbar, dass Diktaturen nicht allein durch einen einzelnen Umsturz entstehen müssen. Sie können sich auch in aufeinanderfolgenden Schritten festigen: durch Gesetze, durch die Ausschaltung politischer Konkurrenz, durch die Unterordnung staatlicher Organe und durch Verfahren, die Zustimmung darstellen sollen. Gerade deshalb bleibt dieser Moment ein wichtiger Bezugspunkt, wenn es um die Frage geht, wie verfassungsmäßige Grenzen abgebaut werden können und welche Rolle Institutionen dabei spielen.
Zeitleiste
- Hitler wird Reichskanzler
- Erlaß des Ermächtigungsgesetzes
- Nacht der langen Messer
- Hitler übernimmt die vereinten Staatsämter
- Volksabstimmung über die Ämtervereinigung
Was du entdeckt hast
Mechanik der Machtbündelung
Du hast nicht nur ein historisches Datum zusammengesetzt, sondern einen Moment nachverfolgt, in dem Ämter, Loyalität und Staatsgewalt gezielt in einer Person gebündelt wurden.
Entscheidend war nicht nur die Vereinigung zweier Ämter, sondern das Zusammenwirken mehrerer Instrumente. Gesetzliche Regelung, persönlicher Treueid des Militärs und nachträgliche plebiszitäre Bestätigung gaben der Machtkonzentration jeweils eine andere Form von Absicherung. Gerade dieses Zusammenspiel zeigt, wie Diktaturen nicht nur durch Gewalt, sondern auch durch umgestaltete Institutionen und gelenkte Zustimmung gefestigt werden.
Am 2. August 1934 ordnete Reichswehrminister Werner von Blomberg an, dass Soldaten der Reichswehr einen persönlichen Treueid auf Adolf Hitler leisten sollten.
FAQ
Was geschah am 2. August 1934 in Deutschland?
An diesem Tag übernahm Adolf Hitler im Deutschen Reich den kombinierten Titel Führer und Reichskanzler. Damit wurden die Funktionen des Staatsoberhaupts und des Regierungschefs unter seiner Kontrolle zusammengeführt.
Wie wirkte sich Hindenburgs Tod auf das Amt des Reichspräsidenten aus?
Paul von Hindenburg starb am 2. August 1934 in Neudeck in Ostpreußen. Mit seinem Tod wurde das Präsidentenamt frei, und die nach dem Gesetz vorgesehene Übergabe der Staatsgewalt trat in Kraft.
Was regelte das Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs?
Das Kabinett billigte am 1. August 1934 das Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs. Es sollte nach Hindenburgs Tod die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers zusammenführen.
Warum war der Eid der Reichswehr auf Hitler bedeutsam?
Am 2. August 1934 ordnete Werner von Blomberg an, dass Angehörige der Reichswehr einen persönlichen Treueid auf Adolf Hitler leisten sollten. Das stärkte die Bindung des Militärs an Hitler als Person.
Wann wurde die Ämterzusammenlegung in Deutschland bestätigt?
Am 19. August 1934 fand in Deutschland eine nationale Volksabstimmung über die Zusammenlegung der Ämter statt. Sie diente dazu, die Änderung nachträglich zu bestätigen.




