SEPTEMBER 5

Geiselnahme im Olympischen Dorf von München

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Ein offenes Olympisches Dorf, weltweite Kameras und eine Krise, für die es kaum Vorbilder gab. München 1972 veränderte den Blick auf Sicherheit bei Großereignissen.

Am 5. September 1972 wurde das Olympische Dorf in München, das wenige Tage zuvor noch als offenes und freundliches Zentrum der Sommerspiele erschienen war, zum Schauplatz einer Geiselnahme. Acht Mitglieder der palästinensischen Gruppe Schwarzer September drangen in den frühen Morgenstunden in das Dorf ein und verschafften sich Zutritt zu den Unterkünften der israelischen Mannschaft in der Connollystraße 31. Damit begann mitten in einem laufenden internationalen Sportereignis eine Krise, die sich nicht mehr nur als polizeilicher Einsatz, sondern als weltpolitisches Ereignis entfaltete.

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Olympisches Dorf in München während der Geiselnahme der israelischen Mannschaft am 5. September 1972.
SEPTEMBER 5 Interaktives 3D-Puzzle

Über diese Geschichte

Am 5. September 1972 drangen acht Mitglieder der Gruppe Schwarzer September in das Olympische Dorf in München ein, töteten den Ringtrainer Moshe Weinberg und den Gewichtheber Jossef Romano und nahmen neun weitere Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln. Die Spiele sollten ein offener Kontrast zu Berlin 1936 sein, mit leichter Dorfbewachung. Ein späterer Rettungsversuch in Fürstenfeldbruck scheiterte; alle neun verbliebenen Geiseln wurden getötet.

Geiselnahme der israelischen Mannschaft im Olympischen Dorf München, 5. September 1972.

Am 5. September 1972 wurde das Olympische Dorf in München, das wenige Tage zuvor noch als offenes und freundliches Zentrum der Sommerspiele erschienen war, zum Schauplatz einer Geiselnahme. Acht Mitglieder der palästinensischen Gruppe Schwarzer September drangen in den frühen Morgenstunden in das Dorf ein und verschafften sich Zutritt zu den Unterkünften der israelischen Mannschaft in der Connollystraße 31. Damit begann mitten in einem laufenden internationalen Sportereignis eine Krise, die sich nicht mehr nur als polizeilicher Einsatz, sondern als weltpolitisches Ereignis entfaltete.

Offene Spiele und ein verwundbares Dorf

Die Münchner Spiele waren von westdeutschen Organisatoren bewusst als Gegenbild zu den Olympischen Spielen von Berlin 1936 gestaltet worden. Das Bild der „heiteren Spiele“ sollte Offenheit, Normalität und demokratische Gelassenheit vermitteln. Sichtbare Bewaffnung und harte Sicherheitsmaßnahmen sollten möglichst vermieden werden. Gerade diese Atmosphäre machte das Olympische Dorf zwar einladend, ließ es aber auch verwundbar erscheinen. Als die Angreifer am 5. September über Zäune und Wege in das Gelände gelangten, trafen sie auf einen Ort, der nicht für eine lang andauernde bewaffnete Konfrontation eingerichtet war.

Im Gebäude der israelischen Mannschaft kam es beim gewaltsamen Eindringen sofort zu Widerstand. Der Ringertrainer Moshe Weinberg und der Gewichtheber Yossef Romano wurden im Verlauf des ersten Angriffs getötet. Neun weitere Mitglieder der israelischen Delegation wurden als Geiseln festgehalten. Schon in diesen ersten Stunden zeigte sich die grundlegende Spannung der Situation: Die Täter befanden sich innerhalb eines dicht belegten olympischen Wohnbereichs, in dem Athletinnen und Athleten aus mehr als 120 Ländern untergebracht waren, während die Behörden gleichzeitig verhindern mussten, dass sich die Gewalt ausweitete.

Der Überfall in der Connollystraße 31

Die westdeutschen Stellen standen damit vor Entscheidungen, für die es in diesem Rahmen kaum Vorbilder gab. Der Münchner Polizeipräsident Manfred Schreiber war an der Reaktion der Behörden beteiligt, während Verhandlungen begannen und die Lage öffentlich immer sichtbarer wurde. Die Einsatzkräfte mussten einerseits Kontakt zu den Geiselnehmern halten, andererseits aber das Olympische Dorf sichern, Informationen prüfen und politische Verantwortungsträger einbinden. Dabei war jeder Schritt mit Risiken verbunden: Ein überhastetes Vorgehen konnte das Leben der Geiseln gefährden, zu langes Zuwarten konnte den Handlungsspielraum der Behörden weiter einschränken.

Besonders ungewöhnlich war, dass sich die Krise in einem Raum abspielte, der eigentlich für Begegnung, Bewegung und internationale Öffentlichkeit geschaffen worden war. Das Olympische Dorf war kein abgeschotteter militärischer Bereich, sondern ein bewohnter, von Medien beobachteter Ort. Journalisten, Kamerateams und Fotografen berichteten fast in Echtzeit. Dadurch wurde die Geiselnahme nicht nur zu einer Sicherheitslage vor Ort, sondern auch zu einem weltweit verfolgten Medienereignis. Die Bilder aus München machten sichtbar, wie eng im Zeitalter des Fernsehens operative Entscheidungen und öffentliche Wahrnehmung miteinander verbunden waren.

Verhandlungen unter laufenden Kameras

Für die Organisatoren der Spiele bedeutete das einen tiefen Bruch. Willi Daume, als führende Figur des westdeutschen Sports und der Olympiavorbereitung, stand wie andere Verantwortliche vor der Frage, wie ein internationales Sportfest unter solchen Umständen überhaupt weitergeführt oder unterbrochen werden konnte. Doch an diesem Tag ging es zunächst nicht um das größere olympische Programm, sondern um die unmittelbare Lage im Gebäude der israelischen Mannschaft. Verhandlungen wurden aufgenommen, Forderungen der Geiselnehmer mussten entgegengenommen und bewertet werden, und gleichzeitig blieb unklar, wie weit die Täter zu gehen bereit waren.

Die Person des Anführers Luttif Afif trat im Verlauf der Gespräche stärker hervor, weil er gegenüber den Behörden als Sprecher der Gruppe in Erscheinung trat. Dennoch blieb die Lage in wesentlichen Punkten unübersichtlich. Für die westdeutschen Verantwortlichen war nicht nur entscheidend, was die Geiselnehmer verlangten, sondern auch, wie viele Personen genau beteiligt waren, welche Waffen sie besaßen und wie sich ihre Position im Gebäude entwickelte. Solche Unsicherheiten sind für jede Geisellage bedeutsam, in München wurden sie durch den internationalen Rahmen und den ständigen Blick der Weltöffentlichkeit noch verstärkt.

Fürstenfeldbruck und ein Wendepunkt der Veranstaltungssicherheit

Die Ereignisse des 5. September werden oft mit dem späteren, gescheiterten Befreiungsversuch auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck verbunden. Für das Verständnis dieses Tages ist es jedoch wichtig, die Phasen zu unterscheiden. Die Geiselnahme begann im Olympischen Dorf, im Wohnbereich der israelischen Mannschaft, und dort stellten sich die ersten grundlegenden Probleme der Einsatzleitung: unzureichend vorbereitete Sicherheitsstrukturen, schwierige Verhandlungen, unklare Lagebilder und ein Umfeld, das weder räumlich noch organisatorisch für eine solche Krise geschaffen worden war.

Gerade deshalb markiert München nicht nur einen Angriff auf eine olympische Delegation, sondern auch einen Moment, in dem die Verletzlichkeit internationaler Großveranstaltungen offen zutage trat. Das Ideal eines offenen globalen Treffpunkts stieß auf eine Form politischer Gewalt, die Öffentlichkeit bewusst einbezog. Die Krise zeigte, dass Sportereignisse nicht außerhalb der Konflikte ihrer Zeit standen, selbst wenn ihre Organisatoren genau diesen Eindruck vermitteln wollten.

Warum es noch wichtig ist

Die Geiselnahme von München blieb ein Bezugspunkt weit über das Jahr 1972 hinaus. Für spätere Olympische Spiele und andere internationale Großveranstaltungen wurde sie zu einem Beispiel dafür, dass Sicherheitsplanung nicht nur den geordneten Ablauf einer Veranstaltung sichern muss, sondern auch auf seltene, aber folgenschwere Ausnahmelagen vorbereitet sein muss. Zugangskontrollen, Einsatzkoordination und Notfallpläne wurden in den folgenden Jahren deutlich anders gedacht als zuvor.

In der Bundesrepublik wirkte das Ereignis auch auf die staatlichen Sicherheitsstrukturen zurück. Die Grenzen herkömmlicher Polizeiarbeit in einer terroristischen Geisellage waren in München deutlich geworden. In den Jahren danach wurden spezialisierte Einheiten und Verfahren aufgebaut, die auf solche Lagen besser vorbereitet sein sollten. München war damit Teil einer breiteren institutionellen Neuorientierung im Umgang mit Terrorismus.

Ebenso wichtig war die mediale Dimension. Die Ereignisse machten deutlich, dass Live-Berichterstattung nicht nur informiert, sondern den Verlauf einer Krise beeinflussen kann. Behörden mussten künftig stärker bedenken, dass Einsatzorte unter laufender Beobachtung stehen und dass Informationen in Sekunden um die Welt gehen. Diese Verbindung von Sicherheitslage und Medienöffentlichkeit gehört heute selbstverständlich zur Planung großer Ereignisse — sichtbar wurde sie in besonderer Weise am 5. September 1972 in München.

Die Geschichte dieses Tages ist daher nicht nur die Geschichte eines Angriffs im Olympischen Dorf. Sie ist auch die Geschichte davon, wie ein internationales Fest, das Offenheit zeigen wollte, plötzlich mit den Grenzen dieser Offenheit konfrontiert wurde. Gerade deshalb bleibt München 1972 ein Schlüsselmoment in der Geschichte von Sport, Sicherheit und globaler Öffentlichkeit.

Zeitleiste

  1. Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in München
  2. Schwarzer September greift die israelische Mannschaftsunterkunft an
  3. Gescheiterte Rettung in Fürstenfeldbruck; die verbliebenen Geiseln werden getötet

Was du entdeckt hast

Als Offenheit zur Schwachstelle wurde

Du hast nicht nur ein historisches Ereignis zusammengesetzt, sondern auch einen Moment, in dem die offene Bühne der Olympischen Spiele mit den Anforderungen einer Geisellage kollidierte.

Die Spiele in München sollten bewusst leicht, zugänglich und wenig militarisiert wirken, doch genau dieses Sicherheitskonzept erwies sich in der Krise als unzureichend. Der 5. September zeigte, dass Großveranstaltungen nicht nur Menschen zusammenbringen, sondern auch neue Verwundbarkeiten schaffen. Ebenso wurde sichtbar, dass Polizei, Verhandlungsführung und mediale Öffentlichkeit in solchen Lagen nicht getrennt voneinander handeln, sondern sich gegenseitig beeinflussen.

Die Geiselnahme begann während laufender Olympischer Sommerspiele, die erst am 26. August 1972 in München eröffnet worden waren.

FAQ

Was geschah am 5. September 1972 in München?

Am 5. September 1972 drangen acht Mitglieder von Black September in das Olympische Dorf in München ein und zwangen sich in die Quartiere der israelischen Mannschaft in der 31 Connollystraße. Dabei wurden zwei Teammitglieder getötet und neun Israelis als Geiseln genommen.

Wo ereignete sich der Überfall bei den Olympischen Spielen?

Der Angriff ereignete sich im Olympischen Dorf in München, Westdeutschland, genauer in der 31 Connollystraße. Dort befanden sich die Unterkünfte der israelischen Mannschaft während der Olympischen Spiele.

Wer waren die Opfer der ersten Gewalt im Olympischen Dorf?

Bei dem ersten Angriff wurden der Ringertrainer Moshe Weinberg und der Gewichtheber Yossef Romano getötet. Neun weitere Mitglieder der israelischen Mannschaft wurden als Geiseln festgehalten.

Wer reagierte auf die Geiselnahme in München?

Der Münchner Polizeichef Manfred Schreiber war Teil der westdeutschen Reaktion, während die Lage im Olympischen Dorf eskalierte. Die Behörden mussten die Geiselnahme während eines laufenden internationalen Sportereignisses bewältigen.

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