Über diese Geschichte
Am 14. September 2003 sprach Papst Johannes Paul II. bei einer Freiluftmesse in Bratislava-Petržalka während seines Besuchs in der Slowakei den griechisch-katholischen Bischof Vasiľ Hopko und Schwester Zdenka Schelingová selig. Die Feier verband päpstliche Liturgie mit der Erinnerung an die Verfolgung in der kommunistischen Zeit. Hopkos Kirche war 1950 unterdrückt worden; Schelingová starb 1955 nach der Haft.
Messe in Bratislava-Petržalka zur Seligsprechung von Vasiľ Hopko und Zdenka Schelingová 2003
Am 14. September 2003 feierte Papst Johannes Paul II. während seines Pastoralbesuchs in der Slowakei eine große Freiluftmesse im Stadtteil Petržalka in Bratislava. Im Verlauf dieser Messe sprach er zwei slowakische Glaubensgestalten selig: den griechisch-katholischen Bischof Vasiľ Hopko und die römisch-katholische Ordensschwester Zdenka Schelingová. Die Feier verband damit Liturgie, kirchliches Verfahren und öffentliche Erinnerung an die Verfolgung von Kirchenvertretern in der kommunistischen Zeit der Tschechoslowakei.
Eine Papstmesse in Petržalka
Die Zeremonie war mehr als ein regulärer Programmpunkt einer Papstreise. Seligsprechungen gehören zu den förmlichen Anerkennungsakten der katholischen Kirche. Mit ihnen wird eine Person offiziell als Vorbild des Glaubens verehrt, meist nach einem längeren Prüfungsverfahren, das Lebensweg, Zeugnisse und historische Quellen einbezieht. Wenn eine solche Entscheidung im Rahmen einer Papstmesse vor großer Öffentlichkeit verkündet wird, tritt ein bislang vor allem in kirchlichen Akten geführtes Verfahren in den national sichtbaren Raum.
In Petržalka geschah das gleich für zwei Personen, deren Lebenswege zwar unterschiedlich waren, die aber beide mit Repression unter dem kommunistischen Regime verbunden wurden. Vasiľ Hopko war Bischof der griechisch-katholischen Kirche in der Tschechoslowakei. Diese Kirche wurde 1950 vom Regime unterdrückt; ihre Strukturen wurden aufgehoben, Geistliche verfolgt und Gläubige unter Druck gesetzt, sich anderen kirchlichen Ordnungen anzuschließen. In diesem Zusammenhang wurde auch Hopko inhaftiert. Seine Biografie stand deshalb nicht nur für persönliches Leiden, sondern auch für die Erfahrung einer gesamten Kirche, die institutionell zerschlagen werden sollte.
Zwei Verfahren, zwei Kirchen
Zdenka Schelingová gehörte den Schwestern von der Barmherzigkeit vom Heiligen Kreuz an. Auch sie geriet mit den kommunistischen Behörden in Konflikt, wurde verhaftet und inhaftiert. Sie starb 1955. Ihre Seligsprechung rückte die Erfahrung weiblicher Ordensgemeinschaften in den Blick, die in der Tschechoslowakei ebenfalls Überwachung, Auflösung, Einschränkungen und Strafverfolgung ausgesetzt waren. Dass Johannes Paul II. Hopko und Schelingová in derselben Feier seligsprach, machte sichtbar, dass die kirchliche Erinnerung nicht auf einen einzigen Stand oder eine einzige Tradition beschränkt war.
Für den Ablauf der Messe bedeutete das eine doppelte Aufgabe. Zwei getrennte Seligsprechungsverfahren mussten in eine einzige große öffentliche Liturgie eingebunden werden. Zugleich sollte die Feier verständlich machen, warum gerade diese beiden Personen ausgewählt worden waren. Der Papst entschied sich damit für eine öffentliche Form des Gedenkens, die sowohl die griechisch-katholische als auch die römisch-katholische Geschichte der Verfolgung in der Slowakei ansprach. In einem Land, das nach 1989 seine Archive, Erinnerungsorte und historischen Deutungen neu ordnete, war das nicht nur eine innerkirchliche Angelegenheit.
Von den Archiven zum Altar
Johannes Paul II. war selbst ein Papst, dessen Pontifikat stark von der Erfahrung des 20. Jahrhunderts und besonders von den Diktaturen in Mittel- und Osteuropa geprägt war. Seine Reise in die Slowakei im September 2003 stand daher auch im Zeichen einer historischen Rückschau. Die Seligsprechung in Bratislava-Petržalka brachte diese Rückschau in eine konkrete Form: Nicht abstrakt über Unterdrückung zu sprechen, sondern sie an namentlich bekannten Lebensgeschichten festzumachen.
Dabei blieb die Feier dennoch Teil eines kirchlichen Rituals. Die katholische Seligsprechung ist kein staatlicher Ehrentitel und auch kein gerichtliches Urteil über ein politisches System. Sie ist eine kirchliche Anerkennung, die auf Frömmigkeit, Zeugnisse und das Verständnis von Heiligkeit bezogen ist. Gerade deshalb ist sie historisch interessant: Sie zeigt, wie religiöse Institutionen Erinnerung nicht nur bewahren, sondern ordnen und öffentlich sichtbar machen. Wer auf einem großen Platz in Bratislava von den neuen Seligen hörte, begegnete damit zugleich einer bestimmten Form der Geschichtserzählung.
Erinnerung an Repression in der Öffentlichkeit
Diese Verbindung von Liturgie und Erinnerung war in der Slowakei der frühen 2000er Jahre besonders bedeutsam. Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft waren viele zuvor unterdrückte religiöse Biografien wieder öffentlich präsent geworden. Kirchen konnten Archive öffnen, Gedenkfeiern veranstalten und Verfolgungsgeschichten neu erzählen. Eine Papstmesse mit Seligsprechung verlieh solchen Erzählungen jedoch eine andere Reichweite. Sie machte aus kirchlichen Verfahren ein Ereignis nationaler Sichtbarkeit.
Warum es noch wichtig ist
Die Messe vom 14. September 2003 ist bis heute aufschlussreich, weil sie zeigt, wie Erinnerung in postkommunistischen Gesellschaften institutionell geformt wird. Historische Erfahrung gelangt nicht nur durch Schulbücher, Museen oder staatliche Gedenktage in die Öffentlichkeit, sondern auch durch religiöse Zeremonien. In Bratislava-Petržalka wurde die Vergangenheit der kommunistischen Verfolgung nicht allein beschrieben, sondern in einer offiziellen Feier benannt und eingeordnet.
Zugleich macht das Ereignis deutlich, dass slowakische Kirchengeschichte nicht aus einer einzigen Linie besteht. Mit Vasiľ Hopko stand ein Vertreter der griechisch-katholischen Kirche im Mittelpunkt, deren Unterdrückung 1950 eine besondere Zäsur darstellte. Mit Zdenka Schelingová wurde eine römisch-katholische Ordensfrau geehrt, deren Lebensweg auf andere Formen der Repression verweist. Die gemeinsame Seligsprechung stellte diese Erfahrungen nebeneinander, ohne sie gleichzusetzen.
Schließlich erinnert das Ereignis daran, dass kirchliche Anerkennungsverfahren immer auch öffentliche Wirkung entfalten können. Was in Akten, Zeugnissen und historischen Untersuchungen vorbereitet wird, kann in einem einzigen Moment vor Tausenden Menschen sichtbar werden. Die Seligsprechung von Hopko und Schelingová war deshalb nicht nur ein Akt katholischer Verehrung, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Biografien des 20. Jahrhunderts in das kollektive Gedächtnis eines Landes eingehen.
Zeitleiste
- Unterdrückung der griechisch-katholischen Kirche in der Tschechoslowakei
- Tod von Zdenka Schelingová
- Seligsprechungsmesse in Bratislava-Petržalka
Was du entdeckt hast
Öffentliche Erinnerung im Ritual
Du hast nicht nur ein Datum gelöst, sondern einen Moment nachvollzogen, in dem eine öffentliche Liturgie individuelle Lebenswege in das nationale Erinnern nach der kommunistischen Zeit einordnete.
Seligsprechungen wirken nicht nur nach innen für eine Glaubensgemeinschaft, sondern auch als geordnete Form öffentlicher Erinnerung. In Petržalka wurden biografische Erfahrungen von Verfolgung, kirchliche Archive und liturgische Anerkennung vor einem breiten Publikum zusammengeführt. Gerade in postkommunistischen Gesellschaften zeigt sich daran, wie Institutionen Vergangenheit nicht nur dokumentieren, sondern auch in sichtbare Rituale übersetzen.
Vasiľ Hopko war Bischof der griechisch-katholischen Kirche in der Tschechoslowakei und wurde nach deren Unterdrückung im Jahr 1950 vom kommunistischen Regime inhaftiert.
FAQ
Was geschah am 14. September 2003 in Bratislava-Petržalka?
An diesem Tag feierte Papst Johannes Paul II. während seines Besuchs in der Slowakei eine Messe in Bratislava-Petržalka. Bei dieser Messe sprach er Vasiľ Hopko und Zdenka Schelingová selig.
Wer waren Vasiľ Hopko und Zdenka Schelingová?
Vasiľ Hopko war ein Bischof der griechisch-katholischen Kirche in der Tschechoslowakei. Zdenka Schelingová war eine Schwester der Kongregation der Schwestern der Barmherzigkeit vom Heiligen Kreuz.
Warum werden Hopko und Schelingová mit kommunistischer Verfolgung verbunden?
Vasiľ Hopko wurde nach der Unterdrückung der griechisch-katholischen Kirche im Jahr 1950 unter dem kommunistischen Regime inhaftiert. Auch Zdenka Schelingová wurde von den kommunistischen Behörden inhaftiert und starb 1955.
Was bedeutet Seligsprechung in der katholischen Kirche?
Die Seligsprechung ist ein formaler Schritt im Verfahren der katholischen Kirche zur Anerkennung einer Person. Sie macht die Verehrung dieser Person in einem bestimmten kirchlichen Rahmen möglich.